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Rohde & Schwarz
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Zur Datierung  von ROHDE & SCHWARZ - Geräten

1. Fassung vom 30.10.2015




Selbstinduktionsmessgeräte Type LRH. Ausführungen aus den Jahren 1944 bis 1948

Bei die  Vielfalt der von Rohde & Schwarz über Jahrzehnte hinweg entwickelten Modelle und Typen stellt sich bei manchem Gerät die Frage: Wann wurde es gefertigt, wie alt ist es?
Den Anfang bildet das "Physikalisch-Technische Entwicklungslabor Dr. Rohde & Dr. Schwarz (PTE)", eingerichtet 1933. Dort beschäftigt man sich unter anderem mit Werkstoffen für die Hochfrequenztechnik und den Apparatebau 1), eine Zusammenarbeit mit der Thüringischen Firma Hescho auf dem Gebiet der keramischen Werkstoffe ist dokumentiert.
Aus dem Labor in der Münchner Thierschstraße 36 stammt ein Verlustfaktor-Messgerät für Hochfrequenzkeramik -  die erste Entwicklung von Dr. Lothar Rohde und Dr. Hermann Schwarz, so die Firmendokumentation.2)  Ferner ist von einem Interferenzwellenmesser zu lesen und es wird der Allwellen-Frequenzmesser erwähnt, der offenbar auch bereits seit 1933 gefertigt wurde. 3)

Der Allwellen Frequenzmesser Type WIP ist das älteste Gerät in der Sammlung Nachrichtentechnik und wurde von dem PTE Dr. Rohde & Dr. Schwarz in der Tassilostraße, München 9 gefertigt.
In Hermsdorf/ Thüringen pflegt ein Verein für Regional- und Technikgeschichte einen Großmessender, der 1939 im PTE Dr. Rohde & Dr. Schwarz beauftragt und 1941 in Betrieb genommen wurde. 

Es gibt bei Rohde & Schwarz-Geräten einige Indikatoren, die eine Datierung oder zeitliche Einordnung ermöglichen.
Ich möchte diese Hinweise, die sich auf den Zeitraum von der Gründung bis in die 1960er Jahre beziehen gerne vorstellen:


1. Äußerliche Merkmale: Bauform, Gehäuse, Design und Bedienelemente

Einen ersten äußerlichen Hinweis auf das Baujahr geben Form und Art der Gehäuse, die Frontplatte, die verwendeten Farbtöne, sowie die Bedienelemente und Form der Anzeigeinstrumente.
Gehäuse und Frontplatten von Rohde & Schwarz - Geräten, die  aus den 1930er und 1940er Jahren stammen, sind in dunkelgrauer Farbe lackiert. Anfang der 1950er Jahre findet ein Wechsel auf einen helleren Grauton statt, der auch in den 1960er Jahren vorherrscht. Einige Gehäuse und Frontplatten von Geräten, die für militärische Anwendungen bestimmt waren, sind ab den 1960er Jahren in olivgrün gespritzt.
In den 1940er Jahren wurden wenige, meist kleinere Messgeräte-Typen in Holzgehäusen mit Deckel untergebracht; vorherrschend sind bei Rohde & Schwarz allerdings bis in die 1970er Jahre Metallgehäuse.
Die abgerundeten Gehäusekanten mit bündig abschließenden Frontplatten finden sich von den Anfängen und, je nach Modell,  bis in den Anfang der 1950er Jahre. "Rounded corners" sind auch bei anderen Herstellern elektronischer Messgeräte wie etwa Hewlett Packard deutliches Merkmal einer frühen Bauform.4)

       
 Gehäuseform, Frontplatte und Anstrich zweier Modelle. Links: Type LRH, ca. 1944 ; rechts: Type SDAF, ca. 1965. 

Je nach Modelltyp ist zu beobachten, dass gewisse Stilelemente über viele Jahre hinweg beibehalten werden.
Ein weiteres äußerliches Merkmal, das eine erste zeitlich Zuordnung ermöglicht, sind die Gehäusegriffe

       

Links: Bügelgriffe, 1930er-, auch 1940er-Jahre.   Mitte: Einbaugriffe, 1940er- und 1950er Jahre.   Links: Schalen-Klappgriffe: 1950er- und 1960er Jahre

Gehäusegriffe sind übrigens nicht nur bei Rohde & Schwarz Deutschland prägende Stilmittel für elektronische Instrumente und ihre Zeit, ähnliche Entwicklungen  finden sich auch bei anderen Herstellern.


   

Bügelgriffe 1940er-Jahre bei Hewlett Packard, USA (links) und General Radio, USA (mitte). Einbaugriff bei Siemens, Anfang 1950er Jahre

Die runden Einbaugriffe sind  an relativ wenigen Rohde & Schwarz-Modellen und auch nur wenige Jahre verbaut; zunehmend setzen sich Mitte der 1950er Jahre die breiteren Schalen-Klappgriffe durch.
War für ein Modell ein Frontschutz (Gehäusedeckel, Gerätedeckel) vorgesehen, sind bei den Verschlüssen im Wesentlichen zwei Typen auszumachen; auch hier gibt es Parallelen zu anderen Herstellern:

     

Links: 1950er-, auch Ende 1940er- Jahre: Schnappverschlüsse. Rechts 1960er Jahre: eingelassene Federverschlüsse

Bemerkenswerterweise sind solche Abdeckungen bei früheren Modellen (1930er und 1940er Jahre) bis auf wenige Ausnahmen unüblich.

Das Design der Bedienelemente auf der Frontplatte gibt  Hinweise auf eine zeitliche Ensortierung


 
Bild links: Kurbel WIP, 1940er Jahre, Bild rechts Kurbel NE2, 1950er und 1960er Jahre


Den Kurbelknopf aus Metall mit umlegbarem Stift gibt es bereits bei Geräten der 1930er Jahre; der etwas massivere Kurbelknopf aus Kunststoff ist seit Anfang der 1950er Jahre ein stilgebendes Element an Rohde & Schwarz Geräten, das bis ins  Ende der 1960er Jahre reicht.
Die geriffelten Bedienknöpfe werden spätestens Anfang der 1950er Jahre von glatten Drehknöpfen abgelöst.
In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts sind bei elektrischen Zeigerinstrumenten überdies fast auschließlich runde Bauformen auszumachen. Die Bauform ändert sich zunehmend in den 1950er Jahren und die Rahmen der Anzeigeinstrumente werden rechteckig mit mehr oder minder abgerundeten Ecken. An manchen Modellen sind runde Anzeigeinstrumente aber auch Mitte der 1960er Jahre noch verbaut; bei Rohde & Schwarz, wie auch bei anderen Herstellern.


2. Firmenschild und Typenschild mit Fabriknummer

Zwei weitere ganz wesentliche Indikatoren für das Entstehungsjahr eines Rohde & Schwarz – Gerätes sind das Firmenschild und das Typenschild mit Typenbezeichnung und Seriennummer (Nr oder F. Nr.), die vorne auf der Frontpaltte, bei frühen Modellen hinten am Gehäuse eingenietet wurden. Ein eigenes Firmenschild gibt es an nahezu allen Rohde & Schwarz Geräten bis etwa 1950; in den Folgejahren findet sich das Firmenlogo auch auf den Beschriftungsfeldern der Frontplatte, ebenso die F.Nr., die durch eine um 1938 eingeführte Bestellnummer (BN) ergänzt wird.

Das Firmenschild  mit der Aufschrift Physikalisch-techn. Entwicklungslabor Dr. Rohde und Dr. Schwarz“ neben einem PTE-Logo gibt es mit dem Adresszusatz "München 9" und "München" . "München 9" ist ein Hinweis darauf, dass das Gerät nach dem Umzug des Labors in die Tassilostraße, also nach 1937 gefertigt wurde.
Ein eigenes PTE-Logo ist erstmalig in einem Katalog, datiert 1938 zu sehen; auf den darin abgebildeten Geräte war das Logo aber offensichtlich noch nicht Bestandteil des Firmenschilds.
Ein Übergang zur einfachen Firmenadresse  "München" taucht bei den von mir besehenen Geräten erstmalig bei in Memmingen ab 1944 gefertigten Geräten auf (der Produktionsstandort wurde wegen drohendeer Luftangriffe von München zunächst nach Kempten, 1944 nach Memmingen verlegt).



       
   Firmenschild mit PTE-Logo und Adresszusatz "München 9" (nach 1938)        Firmenschild mit PTE-Logo und Adresszusatz "München" (ab 1944)         

Laut Firmendarstellung wird das „Physikalisch-technische Entwicklungslabor Dr. Rohde & Dr. Schwarz“ 1945 zu „Rohde & Schwarz“.
Neben dieser Verkürzung des Firmennamens wird auch ein neues Logo eingeführt, das sich auf den von mir besehenen Geräten erstmalig 1948 auf dem Firmenschidern zeigt.


     
Firmenschild mit RS-Logo, Kurznamen und Hausanschrift  (ab 1948)              Firmenschild mit Typenbezeichnung, Bestellnummer und FNr. (1950)     
 
Ab Anfang der 1950er Jahre wird bei der überwiegenden Zahl der Typen das Logo, der Firmenname mit Adressangabe, Bestell- und Fabrikationsnummer statt auf Schildern direkt in die Frontplatte gepägt. Es gibt Ausnahmen, besonders bei den Rack-Einschüben und bei Geräten für militiärische Anwendungen, bei denen sich auch Mitte der 1960er Jahre noch metallerne Firmen- und Typenschilder finden.

 Die Seriennummer (Nr. oder F.Nr.) ist auf einem kleinen Typenschild eingeprägt, das bei den meisten Geräten der 1930er - und 1940er Jahre auf der Gehäuserückseite eingenietet ist. Vermutlich wurden in den ersten Jahren seit Unternehmensgründung alle gefertigten Exemplare des Physikalisch-techn. Entwicklungslabors unabhängig von der Gerätetype durchnummeriert.
Im Zuge der schnell wachsenden Auftragslage des Unternehmens lässt sich (ab 1939?) bei der F.Nr. eine Systematik erkennen, die aus zwei Zahlen besteht (ab etwa 1948 werden die beiden Zahlen konsequent durch einen Schrägstrich getrennt). Die erste Zahl deutet auf eine fortlaufende Auftrags- oder Chargen-Nummer, die zweite Zahl auf eine mit 1 beginnende Seriennummer innerhalb der Charge hin.

Die Systematik Chargennummer/ Seriennummer findet in den 1940er- und 1950er-Jahren sehr konsequent Anwendung;  in den 1960er Jahren wird der Chargennummer dann meist ein Buchstabe vorangestellt. 
Das Fertigungsjahr lässt sich aus den Nummern allerdings nicht direkt ableiten, zumindest aber wird durch die Nummerierung und die Chargennummern eine zeitliche Reihung ersichtlich.

Vergleicht man die Fabriknummer eines Geräts mit seinem Firmenschild, sind einige Rückschlüsse möglich:
Das PTE-Firmenschild taucht bei den von mir studierten Geräten zuletzt mit der Fabriknummer [M297 1588] auf. (Das Präfix "M" deutet vermutlich auf den 1944 bezogenen Produktionsstandort Memmingen hin.)  Gleichsam findet sich das R/S-Logo zuerst auf einem Exemplar mit der F.Nr. [M297 1711]. Beide Exemplare stammen vermutlich aus dem Jahr 1948.
 
Die gezeigten äußerlichen Merkmale geben einen ersten guten Hinweis auf die Zuordnung eines Geräts zu einer Dekade, Geräteepoche oder einem Produktionsstandort (und somit bereits einer Jahreszahl); die Übergänge sind fließend, besonders bei Typen, die über einen sehr langen Zeitraum produziert und in ihrem Erscheinungsbild ähnlich,  im Schaltungsdesign aber teils erheblich weiterentwickelt wurden.
Um eine genauere Datierungen vornehmen zu können, ist also ein Blick ins Innere des Gerätes unerlässlich.

 
3. Merkmale im Geräteinneren:  Angaben auf Bauelementen und Zeigerinstrumenten, Prüfstempel oder handschriftliche Vermerke


Ist das äußerliche Erscheinungsbild eines  Modells über etliche Jahre  weitestgehend  ähnlich, zeigen sich im Geräteinneren deutliche Technolgiewechsel, abzulesen an den eingesetzen Bauelementen und dem Schaltungsdesign.  Bereits in den frühen Rohde & Schwarz Geräten zeigen sich  Fortschritte in der Elektronik auf sehr eindrucksvolle Weise. Ein sehr anschauliches Beispiel sind die verwendeten Röhrentypen: der technologische Wandel ist deutlich an den Sockeln der Elektronenröhren zu erkennen.




links: 1930er Jahre: AF7 mit Außenkontaktsockel (Topfsockel).  1940er Jahre: EZ 11 mit Stahlröhre.   1950er Jahre Glasröhren mit Rimlocksockel


Die Übergänge sind fließend und erstrecken sich jewiels über mehrere Jahre, bieten aber doch eine gute Orientierung in der Epoche.
Ab etwa Mitte der 1940er Jahre sind einige elektronische Bauteile, besonders Elektrolyt-Kondensatoren mir einer Datumsangabe versehen. Eine solche Angabe findet sich ab dem selben Zeitraum auch auf die Rückseite der Anzeigeinstrumente gestempelt. Ist das Gerät im Originalzustand, können diese Monat.Jahr-Codes auf den Bauteilen einen guten Hinweis auf den Fertigungszeitraum des Geräts geben.
Unter der Annahme, dass das Zeichnen der häufig typen-spezifischen Anzeigeinstrumente-Skalen mit der Fertigung des Geräts einherging, so ist im Idealfall der Stempel auf dem Gehäuse des Messwerks ein relativ genauer Hinweis auf das Entstehungsjahr des Geräts.
Bei SIEMENS Messgeräten sind mitunter taggenaue Prüfstempel in Gehäuse oder auf den Bauteileträgern zu finden. Manchmal tragen die Rückseiten der Instrumenteskalen (Zeigerinstrument, Bereichstrommel oder Trommelskala) einen zumeist handschriftlichen taggenauen Vermerk über das Erstelldatum.
Da es sich bei den Skalen um eine der zentralen Komponenten des Messgeräts handelt, sind diese  Tagangaben für eine Datierung von Messgeräten sehr geeignet; solche handschriftlichen Vermerke (quasi aus erster Hand) sind allerdings nicht in jedem Gerät zu finden.
Aus den aufgeführten Merkmalen ergaben sich für einige Geräte der Sammlung Museum-NT recht zuverlässige Erkenntnisse (unten aufgeführt). Die Technologien und Bauteile, die Firmenschilder und im Besonderen die Fabriknummern sind eine gute Richtschnur für eine Datierung von ROHDE & SCHWARZ-Geräten.

Allwellen-Frequenzmesser Type WIP FNr. [197 63] Baujahr 1941
Selbstinduktionsmessgerät Type LRH FNr. [288  1181] Baujahr 1944
Selbstinduktionsmessgerät Type LRH FNr.  [297  1569] Baujahr 1948
Recepteur V.H.F. Type NE2E F.Nr. 822/11 Baujahr 1954

4. Beiliegende Beschreibung oder Gerätekarte, Kataloge und Publikationen

Im Idealfall sind mit dem Gerät zugehörige Unterlagen im Original enthalten. Das können sein: die von Rohde & Schwarz mitgelieferte Beschreibung, oder eine Gerätekarte, wie sie bei manchen Behörden gepflegt wurden. Mitunter kann auch der Vorbesitzer noch eine konkrete Angabe darüber machen, wo das Gerät ab wann oder  in welchem Zeitraum es eingesetzt war.
Sehr hilfreich (aber im Falle Rohde & Schwarz extrem rar) sind Kataloge oder datierte Werbeanzeigen, in denen genau das Modell abgebildet und beschieben wird. Auch Artikel in Fachzeitschriften ermöglichen eine Datierung: Der im Museum-NT ausgestellte Allwellen-Frequenzmessers ist in einem Beitrag von Albert Habermann in der Zeitschrift "Technischs Messen", Januar 1939 als Sonderausführung beschrieben.






Quellenhinweise:

1) L. Rohde, H. Schwarz: "Aluminium in der Hochfrequenztechnik" in Funktechnische Monatshefte. Heft 10, Oktober 1936.
2) Rohde & Schwarz Deutschland: Über Rohde & Schwarz, Technikgeschichte, die 30er Jahre.
    http://www.rohde-schwarz.de/de/ueber/75-jahre-rohde-und-schwarz/?decade=1930  , 2015
3) Rohde & Schwarz: 75 Jahre Rohde & Schwarz. Vom 2-Mann-Labor zum Weltkonzern. Firmenschrift, München, 2008.
4) Kuhn, Kenneth: Dating Vintage HP Instruments:
    http://www.kennethkuhn.com/hpmuseum/dating/vintage_dating.htm , 2009.



  
  
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